Beim Grand Prix von Katar wurden gleich mehrere Neuerungen in der
Motocross-WM eingeführt, Zeit für eine Nachbetrachtung. Zum einen ist
das der erste GP in Katar an sich. Es trat das erwartbare Szenario ein,
dass wir schon vom seit 2004 auf dem Losail Circuit ausgetragenen MotoGP-Rennen
kennen: Organisation Top, Zuschaueraufmarsch Flop. Ich hätte am Renntag
mühelos alle anwesenden Besucher rund um die Strecke per Handschlag
begrüssen können. Die verkündete Zahl von 5000 war nichts weiter als ein
schlechter Witz.
Der katarische Motorsportverband QMMF unter der Führung des umtriebigen
Präsidenten Nasser Khalifa Al-Attiyah rannte mit der Idee des GP bei
Promoter Youthstream und dem Weltverband FIM aber offene Türen ein. Das
Emirat Katar unternimmt grosse Anstrengungen, um sich als Sport-Land zu
etablieren. Die MX-WM war da ein willkommener Mosaikstein, den man sich
ins Bild setzen konnte. Für ein Land, in dem ein Liter Benzin 0,20 Euro
kostet und das 2022 mit der Fussball-WM einen gigantischen Event ausrichten wird, war das Erstellen
einer MX-Strecke ein Klacks. Die Infrastruktur der MotoGP-Piste war
schon vorhanden, das Flutlicht gab es noch obendrauf. Einfach nur, weil
Al-Attiyah einen Meilenstein setzen wollte und wohl auch, um von der
Zuschauerproblematik abzulenken.
Dass die Herren Funktionäre zur Abwechslung gerne mal in einem pompösen
Fünfsterne-Hotel in Doha absteigen und sich zu edlen Gala-Dinnern
einladen lassen statt – sagen wir, in Uddevalla die Nächte in einer
Unterkunft aus den 70er Jahren zu verbringen, ist durchaus menschlich. Ich finde, ein Rennen wie Katar pro Jahr ohne Zuschauer geht in
Ordnung. Wenn die Überseerennen schon sein müssen, dann lieber in Katar
in der menschenleeren Wüste fahren als wie 2012 in Mexiko im Training
feststellen zu müssen, dass die Strecke komplett unbrauchbar ist.
Flutlicht: Keine Stadionatmosphäre
Das Flutlicht wird zur Rückkehr 2014 verbessert. Die Lichtstärke war
genügend, aber nicht umwerfend. An einigen Stellen bildeten sich
Schatten. Ausserdem war die Position einiger Lampen nicht ideal, die
Fahrer wurden beim Absprung geblendet. Mit der Ausleuchtung in einem
Supercross-Stadion war es kein Vergleich, die springenden Fahrer wurden
stets von ihrem eigenen Schatten begleitet. Das Flutlicht auf der
MotoGP-Strecke, das jeden Abend im Bereich der langen Zielgeraden brannte, war
um einiges gleissender als die Beleuchtung der MX-Strecke. Da gibt es
Verbesserungsbedarf.
Die dritte Premiere betraf das neue Superfinale. Eines vorneweg: Ich bin
froh, dass dieses Format nur bei den vier Überseerennen angewendet
wird, in Europa wird wie bisher zwei Läufe pro Klasse gefahren.
Gemischte Rennen machen nur Sinn, wenn für getrennte Rennen peinlich
wenige Fahrer vor Ort sind. Das war in Katar nicht der Fall und wird es
auch in Thailand nicht sein.
Weil pro Klasse nur 20 Piloten im Superfinale antreten dürfen, wird den
Fahrern aus den hinteren Ranglistenregionen die Chance auf Punkte im
zweiten Lauf verwehrt. So werden ausgerechnet jene Fahrer bestraft, die
für die Überseerennen jeden Euro zusammenkratzen mussten, um überhaupt
dabei zu sein.
Eine bessere Variante wäre ein Superfinale als Show-Event ohne
Punktevergabe. Dann käme es auch eher zu den erhofften Zweikämpfen
zwischen David und Goliath: Im aktuellen Format werden die MX2-Fahrer
wie Jeffrey Herlings einen Teufel tun, sich in ein sinnloses Duell mit einem MX1-Piloten
zu stürzen. Sie würden nur ihre eigenen WM-Punkte gefährden.
Kreative Art der Siegerehrung
Ein Ärgernis war die Siegerehrung. Diese bestand wegen der TV-Sender,
die nur das Superfinale übertrugen, nur aus den Ehrungen für die besten
Drei beider Klassen aus eben dem Superfinale. Wenn das schon sein muss,
warum wird nicht einfach im Anschluss noch eine Siegerehrung für die
beiden GP-Wertungen abgehalten? Wir möchten hören, wie Katar-GP-Sieger
Clément Desalle in ein paar Jahrzehnten seinen Enkeln erklärt, warum
sein hübscher Perlenmuschel-Pokal auf den zweiten statt den ersten Platz
ausgestellt ist...
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| Die wenigen Fans konnten per Handschlag begrüsst werden | |
Katar-GP: Ein solches Rennen pro Jahr ist okay
| Kommentar von Matthias Dubach | 04.03.13-17:27 |
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